Dienstag, 13.08.2013

Tag 116 I 117 I 118

George wird demnaechst 47, er hat drei Kinder, zwei Frauen und ist Solo. George ist halb-halb. Halb Australier, halb Grieche. Sein Koerper ist dekoriert mit Tribal-Tattoos. Total 90er, total affig. George lebt sieben Tage am Stueck, auf mindestens acht Raedern. George ist Truckfahrer.

Wir kommen eine halbe Stunde zu spaet. George anderthalb Stunden. Typisch wir, typisch Australier.

Wir haben uns heute hier versammelt, um gemeinsam die 924km von Sydney nach Brisbane zu bestreiten. Wir wollen uns ins Familenglueck stuerzen, George liefert einem Ehepaar Steine, die gerade einen halben Wald abgeschlachtet haben, um ihr Haus bauen zu koennen.

Michael Jackson droehnt aus den Boxen. Hoch und runter, mehrere Alben. Gar nicht uebel. Im Anschluss gibts die groessten Achziger auf die Ohren. Es wird laut, es wird getraellert. Schief und krumm – Scheissegal.

Wir trinken Bier und Apfelwein, schlafen, rauchen uebermaessig viel, reden und schweigen.

Am Rasthof ein paar Kilometer von Brisbane entfernt, ist Schluss.

Keine Umarmug, “good night and thank you”, und tschuess. Weder uns noch George ist nach einer epischen Abschiedsszene. Ach, war das  schee.  

Yagoona    Ankunft Brisbane.                                             

Herr Namenlos tritt in unser Leben. Ein kurzes Vergnuegen. Herr Namenlos ist um die Fuenfzig. Seine Haarpracht, ein einziges fetttriefendes Gehaenge. Sein Freund ein Hund, wohl der einzige. Sein Auto mufft nach verschiedenen Moeglichkeiten. Ein bisschen Hund, ein Hauch von Essensresten und eine Nuance Tod. Unsere Maegen drehen sich bei jedem neuen Atemzug um. Verkehrt herum, richtig herum, verkehrt herum, richtig herum.. und so weiter. Wir brechen die Stille, und fragen nach dem Namen des Hundes. Er anwortet: „Killy!“. „Pardon?“. „Killy, derived from kill.“ Die eine umklammert gedanklich ihr miniatur Klappmesser, die andere haelt die Hand auf das Nutellaglas neben sich. Wir sind bereit, gekillt werden heute wenn nur die anderen.

Wir halten. Das 15-minuetige Horrorszenario endet. Herr Namenlos gut gestimmt, der Hund wedelt ebenfalls mit dem Schwanz. Wir atmen Luft und stehen endlich in Brisbane-Mitte.

   South Bank Brisbane South Bank Brisbane    City Beach in South Bank-BrisbaneSouth Bank BrisbaneSouth Bank Brisbane

Ueber einer Pinte finden wir Zuflucht in einem Achtbettzimmer. Drei Asiatinnen, eine Franzoesin, eine Italinerin, ein menschenloses Bett. Wir schrubben den Dreck der letzten Tage von unseren Koepern und stuerzen uns in Billigwein und sonderbare Kartenspiele. - 25.7.2013 Brisbane [Hannah Dommes]

Sonntag, 18.08.2013

Juilette – die Alte geht, die Neue kommt.

Wir lernen uns an einem Sonntagabend in deinem Wohnzimmer kennen. Die beiden „Grossen“ risssen dich aus deinen Traeumen, um uns miteinander bekannt zu machen. Ich winke dir zu, habe ein laecheln auf den Lippen und sage das, was jeder an meiner Stelle gesagt haette: „My gosh, she is so cute!“ Du lehnst an deiner „Grossen“ und grinst. Ein wenig verschlafen, ein wenig verschuechtert. Die „Grosse“ ist stolz wie Oskar. Im naechsten Moment heftet sie dich wieder unter ihren Arm, um dich zurueck zwischen die Laken zu verfrachten. Jetzt haben die „Grossen“ ihren Auftritt. Sie reichen uns einen Stapel Papiere und wir gehen gemeinsam Punkt fuer Punkt durch. Der Spross darf keine Nuesse, keinen Honig, nichts scharfes, du isst alles, nur buntes umgehst du..  Zuletzt besprechen wir noch die Sache mit dem Moneten, dann stuerzen auch wir uns endlich ins Bettgewuehl.
Es ist Fruehling hier in Springfield Lakes, und der Sommer kommt im Sauseschritt. Ueberall die gleichen Papphaeuser, umzinglet von immer dem gleichen traurigen Lattenzaeunen. Die Gaerten alle einfach gehalten, kein Schnick und kein Schnack, keine Blume, kein Baum.
 
Home Sweet Home   
Am Wildflower Drive 32 leben die Osbornes – eine typische Ipswich-Famile. Zwei Kinder, zwei junge Eltern, ein Haustier, in diesem Fall eine Katze. Um den Haushalt kuemmert sich niemand wirklich, und um die Kinder sorgt sich ein Kindermaedchen, in diesem Fall zwei.
Die „Grosse“ ist 26 Jahre alt und kommt aus Kuwait. Dort wo das Fremdgehen einer Frau mit Steinigung und das Stehlen mit Hand abhacken bestraft wird. Der „Grosse“ ist 28 Jahre alt und Australier. Er ist ein schweigsamer Zeitgenosse und manchmal schaffen wir es, uns ganze zwei Tage nicht zu sehen, obwohl wir zusammen leben. Die beiden haben sich im Internet kennengelernt, geheiratet, dich und deinen Bruder in die Welt gesetzt. Vor der Ehe mit dem „Grossen“, war die „Grosse“ mit einer Frau zusammen, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Katze Emily lebt ungeachtet auf der Couch. Sie ist eine Hauskatze. Gegen ihren Willen. Der Spross Toby ist 1 Jahr alt und strahlt zwei mal schoener als der Sonnenball, wenn man ihn in die Luefte hebt.
Die Der  
Nun zu dir, du bist 3 Jahre, 1 Monat und 13 Tage alt. Dein Name ist Juilette und wenn du schreist, aehnelst du einem Affen vom Aussehen, und vom Ton her einer Raubkatze.
Ich bohre gespielt in der Nase, du hechtest zu meinem Finger, um dann genuesslich den imaginaeren Popel zu verspeisen. Wir schaukeln wie wild. Ich mach es allein, du wirst von X. angestossen. Hoeher und hoeher. Noch hoeher waere fliegen. Wir stecken dir die Hosenenden in die Struempfe und klatschen uns ab. 
Beim spielen bist du eine Bestimmerin. Wenn dir jemand das Bestimmungs-Zepter entreissen will, wird der Daumen zwischen die Backen gepresst, und es wird gemuckscht. Diskussionen und Ansprachen zu dieser Zeit sind zwecklos. Wer es dennoch versucht, kriegt die kalte Schulter oder eine Portion Kokodilstraenen und Raubkatzen-Geschrei.
  Kind + Chips
Du fragst viel, leider nur selten das Richtige. Du fragst nach mir, wenn ich nicht im Zimmer bin. Du fragst was ich auf dem Klo tue, denn du selbst machst noch in die Windeln. Du fragst was ich dir zum Abendbrot zubereite und was das fuer ein Geraeusch ist, wenn ein Flugzeug vorbei braust.
Doch du fragst mich nie, ob du einen Keks haben darfst, nein, du schnappst dir lieber die ganze Pakung und verdrueckst sie in binnen von Sekunden. Du fragst auch nie ob ich mit dir gehe, wenn du das Spielgelaende verlaesst. Du machst dich vom Acker mit Hunden, mit Grossen, mit Kleinen und nie mit mir.
Wieder bin ich hinter dir her. Erwische dich am Aermel und werfe dich ueber die Schulter. Du schreist. Ich setze uns auf die Bank und will dir erklaeren, das die Welt hinter dem Spielgelaende nicht immer ganz so bunt ausschaut. Autos und nicht immer nette Menschen lauern dort. Du willst davon nichts wissen und schreist noch einen Stich lauter. Ich erklaere, du muckscht, du schreist. So spielen wir das Spielchen eine gute halbe Stunde. Noch einmal. Ich erklaere dir das wir traurig waeren, wenn du fort und unauffindbar waerst. Du schaust mich mit grossen neugierigen Augen an. Ich fahre fort, erzaehle dir das ich dich gern habe. Am Ende frage ich dich, ob du mich verstanden hast, du schreist und dicke Traene fallen erneut aus deinen Augen. Aus meiner Ratlosigkeit heraus, nehme ich dich und schliesse meine Arme um dich. Du schweigst. Ich spuere deine Verwunderung. Ploetzlich legst du deinen Kopf auf meine Schultern und umarmst mich, zum aller ersten mal in diesen drei Wochen. Mit gemischten Gefuehlen beginne ich zu begreifen. Gluecklich darueber dich endlich ein Stueck weit zu verstehen, und gleichzeitig traurig darueber was ich da begreife. Die „Grossen“ arbeiten viel und wenn sie mal zuhause sind, sind Computerspiele und das Telefon interessanter als Kinderbespassung. Wenn du dennoch um Aufmerksamkeit buhlst, wirst du mit einer Tuete Chips abgespeist. Abends wirst du ohne ein Wort ins Bett gestopft und morgens nur selten begruesst. Die Kindermaedchen die sich um dich kuemmern, verschwinden alle paar Wochen wieder, und werden durch ein neues ersetzt. Bindung ist dir fremd.
Als wir am Abend mit den „Grossen“ sprechen und ihnen von deinen verduennisier-schrei-Aktionen berichten, sind sie wenig beeindruckt. Sie: „Yes, that is our Julie. A outgoing girl.”. Er: „Children just cry. So are children.”.
Marry Poppins wurde damals sofort von den Kindern vergessen, da sie die Familie zu einem harmonischen Familienleben verhalf. Wir werden wohl genauso schnell vergessen sein, denn die Alte geht, die Neue kommt. Wie es immer war. Wegen der Sache mit der Harmonie, wird noch immer Ausschau nach der Dame mit dem schwarzen Schirm gehalten..!
 
Gerade muss ich an das zurueck gebliebene Pumba-Tier denken, und wuensche mir Tatort, Lakritzschnecken, eine Kanne Tee und Ihre Naehe herbei. Hex-Hex. – 19.08.2013 Springfield Lackes [Hannah Dommes]
 
 
Montag, 19.08.2013

Mackay und das verloren gegangene Auto!

Es war einmal ein Auto, welches uns gestohlen wurde! Es stand nicht einfach nur dort und wurde uns geklaut. Wir haben auch nicht den Schluessel stecken lassen mit einer pur pur roten Schleife drum und einem Kaertchen: Wer es findet darf es behalten!
Miemo

Fakt ist, Es ist weg und wir waren drauf und dran es wieder in unsere Obhut zu begeben. Der Plan: Donnerstag Nachmittag von Brisbane nach Mackay fliegen. Das Wochenende damit verbringen, das Auto zu finden, es in Gang zu bringen um dann 10 Stunden mit dem Auto zurueck nach Springfield Lakes zu fahren. 

Da Pläne in Australien nicht funktionieren, wir aber dennoch einen gehabt haben, ist auch dieser wieder einmal schief gegangen. 

Als wir Donnerstag Nachmittag unseren Flug angetreten sind, verlief alles gut. Auch als wir in Mackay angekommen waren, sind wir frohen Mutes aus dem Taxi gestiegen, welches uns zur Blue Water Lagoon gebracht hat. Das Wetter war so herrlich und Mackay ist tatsaechlich sehr schoen. 
Auf gehts! Mackay Airport

An der Blue Water Lagoon angekommen, suchten wir fast 2 Stunden unser Auto. Wir fragten in einem Schoppingcenter in der Nähe, Car Boys und Security Männer halfen uns auch. Vergebens! Da es schon dunkel wurde, unsere Maegen immer hungriger und noch kein Platz zum schlafen in Aussicht war, suchten wir etwas und fanden eine Unterkunft ueber einem Pub. 

Hannahs Zitat: Da wir das Auto wahrscheinlich eh nicht finden, will ich morgen wenigstens gut drauf sein, wenn wir wieder einmal die Polizei besuchen muessen. Also setzten wir uns raus auf unseren grosszuegieg geschnittenen Balkon und tranken Goon! 

Nachdem der Junge aus der unteren Rezeption uns gefuehlte 10 Minuten erzaehlte, wo man den Abend gut tanzen gehen konnte (man beachte  Mackay ist nicht gerade gross) gingen wir zur naechsten Ecke in einen Club, aus dem die lauteste Musik ertoente. 

Gute Wahl! Es schien, als wenn alle Leute aus Mackay nur diesen einen Club kennen. 

Ein durch und durch wunderbarer Abend! Es wurde gelacht und getanzt


4 Uhr morgens und wir lagen im Bett. 

Am naechsten morgen mussten wir es mal wieder schaffen bis 10 Uhr morgens auszuchecken.

Unsere moeglichkeiten: Zur Polizei und fragen, ob die das Auto haben, zum Abschleppdienst und fragen, ob die das Auto haben und zur  Blue Water Lagoon und gucken, ob wir es im dunkeln nicht sehen konnten.
Vergebens!
Nirgends ist unser Gefaehrt zu sehen. Und als wir uns an der Blue Water Lagoon ein wenig erfrischten, kam Troy und erzählte uns von unserem Auto. Wie es eine ganze Weile da stand, wie zwei Maedchen in ihm wohnten und wie es nun nicht mehr da steht wo es einst war. Gut! Toll! Das Auto ist also "stollen again".
Zumindest haben wir nun die Gewissheit.  

Nachdem wir wieder einmal bei der Polizei sassen und uns ein Polizist mit Glatze, unnormal dicken Armen und einer Stimme die sich anhoerte, als wuerden seine Muskeln seine Stimmbaender einquetschen, ausfragte wie und was passiert sei, mussten wir nun ueberlegen, wie wir zurueck nach Brisbane kommen. 

Trampen? Mitfahrgelegenheit im Internet suchen? Fliegen? 

Am guenstigsten waeren wohl die ersten beiden Varianten gewesen. Da wir aber einen Job haben, denn wir am Montag wieder antreten mussten, suchten wir uns eine Gelegenheit ins Internet zu kommen und buchten den Flug zurueck und eine weitere Nacht. 

Nächster morgen. Vor 10 Uhr auschecken und ein Spaziergang zum Shoppingcenter um uns etwas zum fruehstuecken zu kaufen.

Da unser Flug erst um 19 Uhr los ging, nahmen wir uns (wahrscheinlich zum ersten mal) Zeit, uns einfach nur in die Sonne zu legen und einmal nicht daran zu denken, wo wir den naechsten Job, das naechste Geld oder die naechste Nacht herkriegen.                                    Do it yourself

Als wir eincheckten und in den Flieger stiegen, konnten wir nicht ganz fassen, dass wir nun endlich in Mackay waren, unser Auto welches wir festentschlossen hatten mit zu nehmen nicht mehr da ist und dass wir in kürzester zeit einen Flieger wieder von innen sahen.  

Am Abend sassen wir wieder im Bett mit einem von der Sonne leicht angebratem Gesicht, Mückenstichen auf Arme und Beine die wie verrückt juckten und der Erkenntnis, dass wir, obwohl wir es schon aufgegeben hatten, tatsächlich noch Lust haben unsere Reise endlich wieder zu starten und endlich wieder zu traveln mit allem, was dazu gehoert! - 08.08.- 10.08.2013 Mackay [Xenia Leston].